Ein Haus mit Tradition

Die Ursprünge des Hotel Schwan gehen auf das 1628 gebaute Haupthaus zurück, das damals als Herberge für Treidelschiffer diente. Die Nähe zu einem Verladekran war ideal für die Schiffer, die von hier aus insbesondere Rheingauer Wein in weiter entfernte Städte wie Köln oder Frankfurt am Main lieferten. Der heute noch existierende Verladekran unweit des Hotels stammt allerdings aus dem Jahr 1744 und ist damit um mehr als 100 Jahre jünger als das Hotel.

Erbaut wurde das Haus wohl von einem Schildwirt Winkel. Erster urkundlich überlieferter Wirt war danach der 1767 erwähnte Michael Beiderlind. Danach blieb das Haus bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts in Familienbesitz der Beierlinds.

Anschließend erwarb eine Familie Wagner das Haus, die es schließlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an die Familie Winkel weiterveräußerte. Durch Heirat wechselte der Familienname schließlich zu Wenckstern. Mit Martina Wenckstern steht immer noch heute ein Nachkomme der Familien Winkel/Wenckstern in der Geschäftsführung des Hauses.

In den 1880er Jahren wurde im Hotel Schwan der Vertrag für den Bau des Nord-Ostsee-Kanals im „Erkerzimmer“ im ersten Obergeschoss unterzeichnet.

Durch Erwerb des nebenanliegenden „Hotel Steinheimer“ (heute: Gästehaus Ilse) wurde in dieser Zeit der Betrieb vergrößert und der Nachfrage angepasst.

Im Ersten Weltkrieg diente das Haus zweitweise als Kaiserliches Hauptquartier.

In den Jahren 1924/25 wurde das Haus saniert. Dabei wurde auch das ursprüngliche Fachwerk wieder freigelegt, zunächst erhielt das Haus aber einen dunkelen Anstrich.

In der Nachkriegszeit bildeten Rheingau-Touristen, die auch wegen der im hoteleigenen Weingut vertriebenen Riesling-Weine kamen, den Großteil der Hotelgäste.

Ein großer Umbau erfolgte 1954/55 als der Anbau neben dem Stammhaus durch die Erhöhung des Daches um eine Etage erweitert wurde. Gleichfalls entstand ein neues Nebenhaus („Westflügel“) mit seiner charakteristischen Rotunde und dem großen Festsaal.

Der nächste große „Einschnitt“ am Haus war der Bau der Ortsumgehung Oestrich mit Aufschüttung von Land direkt vor dem Hotel ab 1960. Seither ist der Rhein vom Hotel zwar nur noch durch den Tunnel unter der Bundesstraße 42 erreichbar, allerdings erhöhte sich die Erreichbarkeit des Hotels für Gäste insgesamt deutlich.

In den letzten Jahren kamen zu den Rheingau-Touristen als weitere Gäste insbesondere an den Wochenende auch Übernachtungsgäste, die an einer der vielen Hochzeiten im Rheingau teilnehmen und eher unter der Woche Geschäftsreisende, unter anderem Messebesucher von Veranstaltungen in Wiesbaden, Mainz und Frankfurt am Main.

Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den 2000er Jahren stiegen 2012 Investoren aus der Region in das Haus ein. Die Leitung verblieb aber, wie zuvor, bei Frau Wenckstern und Herrn Larsen-Schmidt. Seither wird das Hotel Stück für Stück, vor allem in den Wintermonaten, in Abstimmung mit dem Denkmalschutz renoviert, um seinen Gästen die Behaglichkeit des Traditionshauses bei allen Annehmlichkeiten der Moderne bieten zu können.

Architektonisch hervorzuheben sind neben dem Fachwerk des ursprünglichen Gebäudes aus der Zeit vor dem 30jähgrigen Krieg auch die hölzerne Spindeltreppe im Inneren mit einem vollplastisch geschnitzten Männerkopf an ihrem Fuß.